"Vor der Ernte"

Nun sind es nur noch ein paar Tage
zur Reife am Getreidefeld,
es ist natürlich keine Frage:
Ganz schnell verändert sich die Welt.

 Doch bis dahin soll man´s genießen,
das Wogen dieser gelben Pracht.
Die Jäger müssen Sauen schießen,
weil jetzt das Wild viel Schaden macht.

Da kann´s womöglich nicht genügen,
dies von ´nem Ansitz aus zu tun.
Wenn Sauen uns´re Felder pflügen,
ist keine Zeit, um auszuruh´n.

Dann muß man eine Drückjagd machen,
die Schützen und die Treiberwehr,
und dann hört man´s im Walde krachen,
als wär´ der Teufel hinterher.

Und abends sieht man sie dann liegen
die Sauen, nach Geschlecht getrennt,
anschließend werden sie dann kriegen,
was man den „letzten Bissen“ nennt.

Jetzt gibt es viele Sommerfeste,
an jedem Abend ist was los,
und jeder meint, sein´s sei das beste,
hier sei die Stimmung ganz famos. 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz leise huscht ein junges Pärchen
vom Festplatz dort hinauf zum Wald.
Für beide ist es wie im Märchen,
nur wird der Dame sehr schnell kalt.

Der Herr umfängt sie mit den Armen,
ein Hochsitz lädt zum Kuscheln ein,
und dann genießen sie die warmen
Momente, schlafen beinah ein.

Doch plötzlich tönt dort von den Bäumen
bei Dämmerung ein Büchsenknall,
vorbei ist´s mit den schönen Träumen.
Man weiß: Jetzt kam ein Stück zu Fall.

Es ist nun nicht mehr aufzuhalten,
was vorher wuchs – jetzt ist es reif,
man spürt sie, die Naturgewalten,
erlebt Geborenwerden live.

Es gibt fast nur noch diese Leere,
und mir fällt heut´  auch nichts mehr ein.
Ein Rehbock kommt mir in die Quere –
bald wird es „nach der Ernte“ sein.

 

Christian Knopf

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